Eine Welt - Oberösterreichische Landlerhilfe

Landler in Sibirien

Seit mehr als 200 Jahren war Sibirien das Gefängnis der Zaren. 1947 befanden sich etwa sieben Millionen Sträflinge dort. Darunter auch Landler, deren Vorfahren aus dem Salzkammergut stammen.

Die Landler in Sibirien 01 "Sie haben alles verloren. Kein einziges Foto erinnert sie an ihre Dörfer, Deutsch-Mokra oder Königsfeld. Der Heimat fühlen sie sich nur noch erinnerungserklärt verbunden. In ihren Wohnräumen sieht man Bilder von Christus und der heiligen Maria. Sie sind Katholiken geblieben. Aber im weiten Umkreis gibt es keine katholische Kirche oder einen Pfarrer. "Aber i' bet' an jed'n Tog", sagte Julia Kolesnik, geborene Zeppetzauer, 79, die mit einem Wolgadeutschen verheiratet war. Sie spricht noch den Dialekt des Traunviertels, während sich bei den anderen, vor allem bei den jüngeren Karpaten-Landlern, der deutsche Sprachschatz nur noch auf wenige Worte beschränkt. Man kann sich mit einigen nur noch russisch verständigen.

LAbg. Mag. Otto Gumpinger und sein Mitarbeiter Helmut Atzlinger, beide sind schon seit Jahren bei der OÖ. Landlerhilfe engagiert tätig, haben vergangene Woche die Nachfahren der Altösterreicher in Sibirien besucht. Zu den Gastgeschenken gehörte ein Bildband von der Heimat ihrer Vorfahren, die alle aus dem oberen Trauntal, vorwiegend aus der Langbath stammten.

Weil die Holzknechte des Salzkammergutes in ganz Europa als geschätzte Fachleute galten, die sich auch auf den Bau von Schleusen, Klausen, Holzriesen und Flößern verstanden, wandte sich die ungarische Hofkammer an Maria Theresia. Dadurch kam es zu einem Kontrakt mit 100 Holzknechten, denen außerordentliche Löhne und Privilegien geboten wurden. Am 6. Oktober 1775 traten sie mit ihren Familien, insgesamt 220 Personen, von Gmunden aus, in vier "Siebnerinnen", die Reise in die neue Heimat an. 1776 errichteten sie die ersten Holzhäuser und brachten es rasch zu bescheidenem Wohlstand.

 Im Zweiten Weltkrieg galten sie als Volksdeutsche, viele Männer mussten einrücken. Die Diaspora setzte 1944 mit dem näher kommenden Donner der Kanonen ein. Sie mussten weg. Jeder packte, so viel er tragen konnte. Es war eine chaotische Flucht ohne Ziel. Sie wurden zum Strandgut des Krieges. Als sie 1946 aus Deutschland in die Heimat zurückkehren durften, waren aus ihren Häusern entweder bis auf die Grundmauern ausgeraubte Ruinen geworden, oder die Russen hatten sie in Besitz genommen. In Viehwaggons dicht zusammengepfercht, waren sie alle unterwegs, ehe sie nach Hanty-Mansijsk kamen, von dort ging es per Schiff den Ob abwärts, bis sie ins heutige Poljanowo kamen, damals ein Stück Wald, das von den Landlern erst gerodet werden musste.

 

Erst Anfang der 90er-Jahre rehabilitiert

Alle mit denen wir gesprochen haben, die miteinander verschwägerten Familien 

Die Zeit des Hungers ist vorbei. Sie können sich satt essen. Aus ihren Kindern sind Russen geworden. Für die Kinder, Enkel und Urenkel der Karpaten-Landler ist Sibirien die Heimat, für ihre Vorfahren war es Deutsch-Mokra. Für sie alle ist Österreich ein fernes, unermessbar reiches Land.Zauner, Zeppetzauer, Horbas und Holzberger, die heute in Hanty.Mansijsk, Lugowoy, Urmannyi oder Poljanowo leben, haben uns übereinstimmend von der Zeit erzählt, als sie Tag und Nacht Hunger quälte. Es gab nicht einmal genügend "Kascha" (im Wasser angerührter Buchweizen!) Sie träumten vom Brot und der Heimat. Erst 1953, nach dem Tod Stalins, galten sie nicht mehr als Gefangene. Sie durften sich innerhalb einer gewissen Zone frei bewegen. In den 70er-Jahren sind viele nach Ostdeutschland ausgewandert, doch die meisten hatten bereits russische Ehepartner und Kinder, was sie daran hinderte, in den Westen zu ziehen. Anfang der 90er-Jahre wurden sie rehabilitiert. Als ehedem politisch Verfolgte erhalten sie zu ihrer Pension verschiedene Begünstigungen.

 

 

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