Eine Welt - Oberösterreichische Landlerhilfe

Altösterreicher

Etwas später wurden ebenfalls zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie tüchtige Forstarbeiterfamilien aus dem Salzkammergut zur Holzgewinnung in den Karpaten angeworben. Sie zogen mit ihren Familien in die Täler dies- und jenseits der Theiß, einem Herzflusses der Monarchie, in einen anderen Landesteil des damaligen Habsburgerreiches. 1200 Nachfahren dieser Auswanderer leben noch in Oberwischau im Wassertal (rum. Viseu de Sus) in den rumänischen Karpaten an der ukrainischen Grenze. Weitere ca. 300 Personen fanden wir im Theresiental in den ukrainischen Karpaten am Fluss Teresva, bekannt nach der Kaiserin Maria Theresia. Sie leben hauptsächlich in Königsfeld (ukr. Ust-Tschorna, östlich von Ushgorod).

Immer, wenn in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie Salz- oder Holzarbeiter gebraucht wurden, nahm na sie aus dem "Kammergut". Im Besonderen geschah dies im 18. Jhdt., da einerseits im Salzkammergut Überbevölkerung, in vielen Teilen der Monarchie aber Arbeitskräftemangel herrschte.

Holz und Salz haben über Jahrhunderte wie Zwillinge zusammengehört. Je mehr Holz man hatte, umso mehr Salz konnte man sieden und Salz bedeutete Geld für die auch damals stets leeren Staatskassen.

In Szigeth (damals Ungarn, heute Rumänien), fast am Ende der Theiß, war das geradeso wie in Ebensee an der Traun. In der Marmarosch, so nannte man diesen Teil der Waldkarpaten, der seit 1945 zur Hälfte zur Ukraine, zur anderen zu Rumänien gehört, war bis zur Ankunft der Salzkammergütler 1775 keine Spur von einer geordneten Waldwirtschaft. Eben zur Einrichtung einer solchen hatte man 224 Auswanderer angeworben. Durch günstige Arbeitsverträge (die nur teilweise eingehalten wurden) verlockt, könnte man sagen.

 Kaiserin Maria Theresia "gewährte in Gnaden", was damals nur Bergleuten und Pfannhausern zustand, Holzknechten aber nicht ...

Für den neu zu gründenden Ort:

  • ein geschlossenes Siedlungsgebiet
  • einen deutschsprachigen Priester
  • einen deutschsprachigen Lehrer
  • das Recht, den "Dorfrichter" (heute etwa Bürgermeister) zu wählen

Für jeden Haushaltsvorstand:

  • ein Grundstück für den Hausbau und zur Haltung von 2 Stück Vieh
  • Bau- und Brennholz nach "Notdurft"
  • einen festgelegten Lohn
  • Krankengeld im Krankheitsfall
  • "Provision" (=Pension) im Falle von Arbeitsunfähigkeit durch Unfall oder Alter
  • "Viktualien" (=Lebensmittelzuteilungen) zur Aufbesserung des kargen Lohnes

114 Männer, Frauen und Kinder aus Ebensee, 87 aus Ischl und 27 aus anderen "Kammergutorten" reisten am 6. Oktober 1775 von Gmunden per Schiff ab und kamen am 9. November im 1100 Kilometer entfernten Deutsch-Mokra an.

Es war viel zu spät, um Häuser zu bauen, so hausten sie im ersten Winter in Erdhäusern der Ruthenen (=Ukrainer) und behelfsmäßigen Hütten. Es war schrecklich, wie wir aus Briefen wissen: viele wurden krank, und fast alle wären am liebsten wieder daheim gewesen.

Fleiß und Zähigkeit überwanden die Härten des Neubeginns. Bescheidenster Wohlstand und Kindersegen (...) führten dazu, dass 1815, 40 Jahre nach der Ankunft, ein zweiter Ort gegründet wurde: Königsfeld (heute Ust-Tschorna, auch Ust-Corna).

So wurde in zwei Orten, rund 1100 km von uns entfernt dieselbe Sprache gesprochen, es wurden dieselben Lieder gesungen, dieselben Bräuche gepflogen, bis 1918 mehr oder weniger ungestört. Obwohl die ungarischen Behörden nach dem "Österreich-Ungarischen Ausgleich" 1867 die Muttersprache Deutsch an der Schule abschafften, blieb sonst alles beim Alten. Als das Gebiet nach dem 1. Weltkrieg der Tschechoslowakei zufiel, war es aber aus mit der Ruhe:

Rechte wurde eingeschränkt, Verträge für ungültig erklärt, es herrschte Kulturkampf, man wollte sie zu Slowaken erziehen. Trotzdem blieben Dorfgemeinschaften, Brauchtum und Umgangssprache unbeschädigt.

1944 kam die Katastrophe: fast alle wurden vertrieben oder nach Sibirien zur Zwangsarbeit verschleppt, von wo sie erst nach Jahren zurückkehren durften. Die eigenen Häuser waren von Ukrainern "besetzt" oder abgetragen, die Deutschsprachigen waren jetzt eine mehr schlecht als recht geduldete "fremde Minderheit" in den von ihnen gegründeten Dörfern.

Seit der Öffnung 1991 sind die meisten nach Deutschland ausgewandert. Dort erhalten sie die Staatsbürgerschaft und ihre Versicherungszeiten angerechnet. Einige sind auch in Oberösterreich und haben sich bereits gut eingelebt. Durch die Unterstützung der oberösterreichischen Landeshauptleute wurde ihnen die Staatsbürgerschaft wieder verliehen.

Im ganzen Theresiental leben heute nur mehr etwa 300 Deutsch Sprechende, meist ältere Leute vielfach in Not.

Literatur: Hans Schmid-Egger: Deutsch-Mokra Königsfeld, Verlag Hilfsbund karpatendeutscher Katholiken E.V./B.W. Stuttgart, 2. Auflage 1979

 

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