Eine Welt - Oberösterreichische Landlerhilfe

Die Landler

Vor über 200 Jahren, hauptsächlich zur Zeit Maria Theresias und ihres Vaters wurden evangelische Familien, die sich nicht katholisch machen ließen, aus dem Salzkammergut und auch aus anderen Landesteilen der heutigen Bundesländer Oberösterreich und Kärnten nach Siebenbürgen vertrieben (transmigriert). Sie und ihre Nachfahren, von denen noch ca. 300 in den Landlerdörfern Großpold (rum. Apoldu de Sus), Großau (rum. Cristian) und Neppendorf(rum. Turnisor, Stadtteil von Sibiu) rund um Hermannstadt (rum. Sibiu) im rumänischen Siebenbürgen leben, werden Landler genannt. 

 

Mit dem Auftreten Martin Luthers, der alles andere als eine Kirche gründen wollte, war er doch Augustinermönch, der sein Christentum ernst genommen und deshalb an den Missständen der Kirche seiner Zeit (wie viele Christen von heute an den Missständen unserer Tage) sehr gelitten hatte, weshalb er auch gegen diese auftrat, um sie abzustellen. Da den betroffenen weltlichen und geistlichen Obrigkeiten (Herrscher, Hocharistokraten, Adelige, Papst, Kardinäle, Fürsterzbischöfe, Bischöfe und Prälaten) die Beseitigung eines unangenehmen Kritikers leichter schien, als die von Luther ausgesprochenen Missstände (die ihr eigenes Leben wesentlich verändert hätten!), ist es zur Bildung der "protestantischen" Kirche gekommen, welche versuchte, das Evangelium ernster zu nehmen als Äußerungen und "Gepflogenheiten" der geistlichen und weltlichen Obrigkeiten.

 

So meinte Luther, jeder Christ sollte das Evangelium selber lesen können, was zu einer wahren Bildungsexplosion geführt hat, die den Herrschern in Staat und Kirche sehr unangenehm war. Sie wollten das Volk lieber ungebildet haben, am besten dumm und gedankenlos, denn Dumme und Gedankenlose konnte (bzw. kann) man leichter an der Nase herumführen als Gebildete.

Wie ein Sturmwind verbreitete sich die "neue" Lehre in ganz Europa, weil der Nährboden dafür - die der geistlichen und weltliche Obrigkeiten recht angenehmen Zustände = Missstände - himmelschreiend und für uns heute unvorstellbar waren. Kriege und Umwälzungen erschütterten die Länder des "römischen Reiches deutscher Nation".

 

1555 versuchte man mit dem sogenannten "Augsburger Religionsfrieden" dieses Geschehen zu steuern, indem man freie Wahl (zwischen katholischer und evangelischer Religion AB!) für die weltlichen Reichsstände (= die Herrschergeschlechter) proklamierte und das unselige Prinzip: "cuius regio, eius religio" (= wer die Herrschaft inne hat, bestimmt die Religion der "Untertanen"). Letztere hatten das "Recht" auszuwandern, wenn ihnen die Religionswahl ihres Herrschergeschlechtes nicht passte. Dieser sogenannte "Augsburger Religionsfrieden" führte letztlich zum 30-jährigen Krieg, der ganz Europa verwüstet und weitgehend entvölkert hat.

Um 1600 war das ganze Salzkammergut (und große Teile der Monarchie) evangelischen Glaubens. Das österreichische Herrscherhaus - die Habsburger - fühlte sich verpflichtet, alle seine "Untertanen" wieder der "allein seligmachenden Religion" zuzuführen. Die Gegenreformation setzte mit aller Gewalt ein. Als Erste mussten die "Salzamtsleute" (diese waren die Führungskräfte) des gesamten Kammergutes Osterbeichte und Teilnahme an der Fronleichnamsprozession "demonstrieren", dass sie "rechtglaubig" waren. Sie mussten das vom Priester bei der Osterbeichte erhaltene "Beichtbild" im Betrieb vorweisen, um nicht entlassen zu werden.

 

So war dann nach einigen Jahrzehnten an der Oberfläche die "rechte" Ordnung wieder hergestellt. (Aber nur an der Oberfläche). Tatsächlich gab es in der Zeit zwischen 1600 und 1700 eine sehr große Zahl an Protestanten, die aus Österreich Glaubens halber, um ihr Glaubensbekenntnis frei ausüben zu können, ausgewandert sind. Viele tausend Österreicher haben also wirklich "Glaubens halber" den Weg der Auswanderung gewählt und sind vor allem in protestantisch regierte Gebiete des Reiches gezogen.

Unter der Oberfläche, in den schwer kontrollierbaren Seitentälern (Gosau, Obertraun, ...) auf entlegenen Höfen, Höhen und Wäldern, wurde der evangelisch Glaube ausgeübt. In den kontrollierten Teilen des Landes, im Wesentlichen in den Ortschaften, haben Menschen oft ein Doppelleben geführt: äußerlich katholisch - innerlich evangelisch (=kryptoprotestantisch).

Die weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten mussten auch nach mehr als 100 Jahre währender Gegenreformation entsetzt feststellen, dass es immer noch "Ketzer" (= Anhänger des evangelischen Glaubens) gab. Zum Beispiel: 1712 versuchten protestantische Bauern und Holzknechte in Goisern ihren jesuitischen Pfarrer zu vertreiben. Solches wollte und konnte sich die Obrigkeit nicht bieten lassen und man sann auf "Abhilfe".

 

So wurde unter Kaiser Karl VI. ernst gemacht und zwischen 1734 und 1737 wurden 624 "Secratier, Irrgläubige, unbelehrbare Ketzer, Protestanten, Dissidenten, ..." aus dem Kammergut (und 180 aus Kärnten) in das einzige evangelische Land der Monarchie, nach Siebenbürgen, deportiert und zwar in die Orte Neppendorf (heute Turnisor bei Hermannstadt) und Großau (Cristian, etwa 10 km. vor Hermannstadt).

Und diese "Deportanten" hatten zweifaches Glück: ihre Bestimmungsorte waren durch Türkenkriege und Pest weitgehend entvölkert, und deshalb bekam jede der ankommenden Familien einen leer stehenden Bauernhof. Das war der erste Glücksfall im Unglück der Deportation. Der Zweite bestand darin, dass der Salzamtmann von Gmunden, Graf Seeau, selbst Kryptoprotestant war und die Frauen und Kinder der Deportierten mitschickte und ihnen auch Erlös aus dem Verkauf ihrer Güter zukommen ließ.

Solches "Glück" war den weiteren etwa 1.000 Deportierten aus dem "Landl", die unter Kaiser Karl VI. aus dem oberösterreichischen Alpenvorland (=Landl) vertrieben wurden und zu denen bis etwa 1770 unter Maria Theresia, der "gütigen Landesmutter", noch einmal 3.000 dazukamen (viele davon aus dem Ennstal) , nicht zuteil. Ihre Ehen wurden auseinandergerissen, die Kinder zu katholischen Familien gegeben, damit sie der "allein seligmachenden Religion" nicht entzogen und ihr wieder zugeführt wurden. Auch die Güter wurden konfisziert und an "Rechtsgläubige" gegeben. Von diesen etwa 4.000 Leuten haben nach wenigen Jahren nur mehr ein Drittel gelebt - der "Rest" war verstorben! - Überlebende haben in Großpold (heute Apoldu de Sus, etwa 30 km vor Hermannstadt) ihre neue Heimat gefunden.

Literatur:

Erich Buchinger: Die "Landler" in Siebenbürgen, r. Oldenburg Verlag, München, 1980

 

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